Personale Kommunikation

Richtig spannend wird’s bereit im zweiten Kapitel des Studienbriefs „Medienkommunikation und Medienkompetenz“, das sich schwerpunktmäßig mit Kommunikation beschäftigt.

Personale Kommunikation wird wie folgt zusammengefasst:

  1. Um von personaler Kommunikation zu sprechen, braucht es zwei Kommunikationspartner. Das leuchtet mir ein. Aber bereits beim zweiten Unterpunkt wird es knifflig. Personale Kommunikation benötigt eine „präsente Kommunikationssituation“ (S.31). Fallen somit asynchrone Kommunikationsformen wie z.B. ein Internetforum weg? Oder was ist mit What’sApp? Hier findet Kommunikation u.U. zeitversetzt statt – dann würde es schon nicht mehr passen. Antwortet man aber direkt auf die Nachricht des Gegenübers, dann wäre es doch auch eine präsente Kommunikationssituation, oder? Schwierig zu verstehen ist zudem der Hinweis, dass diese Kommunikationssituation in einem identischen Raum- und Zeitgefüge stattfindet.
  2. Der zweite Punkt ist hingegend selbsterklärend: Kommunikation ist „reversibel“, das heißt Sprecher und Hörer können die Rollen tauschen. Macht Sinn.
  3. Personale Kommunikation findet in der Regel via Sprache statt. Die beiden Kommunikationspartner besitzen somit ein überwiegend „gemeinsames Zeichrepertoire“ (S. 32). Der Studienbrief weist darauf hin, dass zudem sprachabhängige und -unabhängige Kommunikationsmittel (Codes) zum Einsatz kommen. Ich vermute damit sind so Dinge wie Tonfall, Lautstärke (sprachabhängig) und nonverbale Mittel wie Gestik oder Mimik (sprachunabhängig) gemeint.
  4. Kommunikation ist „per se reflexiv“, bezieht sich also immer aufeinander. Frage ich zum Beispiel „Wie geht es dir?“, dann wäre die Antwort „Gut“ eigentlich richtig und ausreichend, es wird aber höchstwahrscheinlich die Gegenfrage kommen „Und dir?“. Fängt man nun an, über Wortwahl oder die Frage an sich zu sprechen („Warum fragst du das gerade heute?“), so spricht man von Metakommunikation.
  5. Personale Kommunikation ist in der Regel symmetrisch. Findet Kommunikation in einem sozialen Rahmen statt, der dafür sorgt, dass sie fixiert bzw. ritualisiert wird, dann spricht man von asymmetrischer Kommunikation. Eine polizeiliche Vernehmung eines Verdächtigen wäre vielleicht eine solche asymmetrische Kommunikation. Man kann sich schwer vorstellen, dass ein Verdächtiger auf die Frage „Wo waren Sie gestern zwischen 18 und 22 Uhr?“ mit einer Gegenfrage antwortet (außer vielleicht im Münsteraner Tatort)
  6. Personale Kommunikation ist prinzipiell „unabgeschlossen“. Sie „kreiert ständig neue Anschlusskommunikationen“ (es sei denn einer der Gesprächspartner geht aus der Situation heraus).
    Hier bin ich mir nicht ganz sicher. Das Herausgehen aus einer Situation kann auch innerlich stattfinden. Wenn zwei Gesprächspartner, die normalerweise wenig miteinander reden, in einem sozialen Kontext aufeinandertreffen, wo man quasi „gezwungen“ ist Konversation zu betreiben, dann kann es plötzlich sein, dass einer der Gesprächspartner, das Gespräch beendet – also innerlich geht – aber noch physisch in der Situation bleibt.
  7. Am schwierigsten ist der letzte Punkt: „Personale Kommunikation bedient sich primär keiner materieller und/oder technischer Medien“ – von Sprache als Medium mal abgesehen (S.32).Wenn zwei Menschen miteinander telefonieren oder chatten, dann handelt es sich doch auch um zwei Personen, auch wenn das Medium „Stimme“ durch das Telefon sozusagen verlängert wird. Hier frage ich mich, ob nicht ein veralteter Technikbegriff vorausgesetzt wird. Ich sehe die Entwicklung in unserer Mediengesellschaft eher dahingehend, dass das Medium immer mehr mit der Person verschmilzt. Das Medium Internet-PC war noch ein Medium, das ich aufgesucht habe um mittels eines Kommunikationskanals wie E-Mail zu kommunizieren. Mein Smartphone trage ich immer bei mir, es ist – wenn auch noch extern – fast ein Teil von mir. Noch näher kommen mir Devices wie Google Glass oder das neue Projekt aus dem mächtigen Medienunternehmen in Mountain View, das das Internet in unsere Kleidung bringen will.
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